Insel
über schmales Fahrwasser hin und herpendelnd, knapp an der Vogelinsel Griend vorbei, fährt die Fähre zur zweitgrößten Friesischen Insel namens Terschelling (30 km lang, und höchstens 4,5 km breit). Bei der Ankunft in dem bildhaften kleinen Haven des ebenso bildhaften Dorfes West-Terschelling, wähnt man sich in einer mediterranen Gegend. Hervorgerufen wird dieses Gefühl durch die etwas unordentlichen Umstände. Es ist daher kein Zufall das Terschelling viele junge Leute anzieht. Die Anzahl von Restaurants, Cafes und Aktivitäten entspricht dabei vollständig der Touristenanzahl.
Dennoch ist die Insel nicht ausschließlich auf junge Menschen eingestellt, genau dessen Vielseitigkeit macht Terschelling für viele Touristen so attraktiv. Wer keinen Rummel mag, geht/fährt abends und an Wochenenden einfach nicht nach West-Terschelling und Midsland. Die übrigen Dörfer entlang der 16 km langen Hauptstraße, die von West nach Ost über die ganze Insel läuft, sind viel ruhiger. Außer dem Dorf namens West, das in etwas „abgespeckten“ Dünen liegt, liegen alle anderen Dörfer auf dem Koog im südlichen Teil der Insel. In den Dünen des nördlichen Teils der Insel liegen kleine Ortschaften wie West aan Zee und Midsland aan Zee, die ausschließlich aus Ferienhäusern bestehen.
Terschelling ist im Hinblick auf dessen Landschaft sehr mannigfaltig und hat auch Ruheliebhabern mehr als genug zu bieten, und das auch während der Hochsaison. Auf der Insel sind insgesamt 70 km Fahrradwege angelegt. Diese führen unter anderem nach Boschplaat – einem 4400 ha großen Naturgebiet, welches sich über den kompletten östlichen Teil der Insel einnimmt.
Im südlichen Teil der Insel gibt es einen 1300 ha großen Koog – wo viele Bauer das Land bearbeiten, und Tausende von Vögeln leben – große Stücke Wald (617 ha) und Groden. Im Westen gibt es eine riesige Sandfläche (Noordvaarder) und einen ununterbrochen, 30 km langen und 1 km breiten Strand mit ganz feinem Sand. Die Dünen entlang der Küste formen das größte in sich geschlossenes Naturgebiet, das zum Niederländischen Grundgebiet gehört, und wo die Hälfte von allen wilden Pflanzen des Landes vorkommen, insgesamt sind es rund 700 Pflanzenarten. Terschelling, das zu achtzig Prozent aus unberührter Natur besteht, gilt nicht umsonst als das am besten erhaltene Naturgebiet auf Friesischen Inseln.
Landwirtschaft hat auf Terschelling immer eine wichtige Rolle gespielt. Reichtum erreichten die Insulaner aber mittels Walfang, Lotsenwesen und Handelsseefahrt. Die wichtigsten Handelsrouten von Amsterdam zur Ostsee liefen über den Seeweg Vlie (zwischen Vlieland und Terschelling) und über das Seegatt Marsdiep (südlich von Texel). Ungefähr ein Viertel der Schiffe der Ostseeflotte steuerten im 17. Jahrhundert die Häfen von Vlieland und Terschelling an. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts läutete die Entwicklung von Dampferschiffen das Ende der Segelschifffahrt ein. Man ging zur Küstenfischerei über (in erster Linie waren es Hering, Muscheln und Austern). Einkünfte, die dadurch erwirtschaftet wurden, liefen ständig zurück; schon bald bat aber Tourismus einen Ausweg. Heutzutage leben die meisten Bewohner Terschellings von ausgerechnet in dieser Branche erwirtschafteten Einkünften.